Ich persönlich glaube ja man pilgert schon wenn man den Entschluss gefasst hat und beginnt seinen Camino zu planen. Ich bin vor meinem Camino nie mehrere Tage am Stück mit einem Rucksack gewandert. Also beschlossen mein Bruder, ein Bekannter und ich 2014 den Rothaarsteig zu gehen.

Rothaarsteig

Zu diesem Zeitpunkt war mein Rucksack natürlich noch gnadenlos überladen. Aber ich wollte die Schuhe einlaufen und schauen was ich so schaffen kann. Und so machten wir uns in umgekehrter Richtung wie von den meisten Führern beschrieben in Dillenburg auf Richtung Brilon.

Nach zwei Tagen mussten wir den Abstieg wagen um einen Lebensmittelladen und eine Apotheke zu finden. Ich lief schon den ganzen Tag wie auf heißen Glasscherben. Unglaublich wie sehr Fußsolen schmerzen können. Das ganze entpuppte sich als Krampf in den Fußsolen. Wir fanden zum Glück eine Apotheke und somit Magnesium.

Am dritten Tag begann mein Knie zu schmerzen und es wurde auch mit Ibuprofen nicht besser. Bei einem steilen Abstieg schnappte mein Bruder sich auch noch meinen Rucksack und ich humpelte ein Stück hinter den anderen den Berg hinunter. Die Sonne ging langsam unter und weit und breit keine der eingezeichneten Schutzhütten für die Nacht in Sicht. Unten angekommen verlief der Weg in einer Kurve ein kleines Stück parallel zu einer Landstraße. Wir wollten grade kurz verschnaufen als ein Minivan an den Rand fuhr. Eine junge Frau stieg aus und fragte ob wir Hilfe benötigen. Sie hatte meinen Bruder mit den beiden Rucksäcken und mich den Berg runterhumpeln sehen als sie uns entgegen kam. Ich wollte nicht, denn Brilon war mein Ziel aber die zwei Herren drängten mich das Angebot anzunehmen. Wir waren mitten im Nirgendwo und ohne Hilfe wäre ich nicht Heim gekommen.  Eigentlich wollte sie ja nach Siegen also in die andere Richtung und bot dennoch an mich bis nach Hause zu bringen. Wie unser Begleiter so war auch sie Geocacher und daher tauschten die beiden sich noch kurz aus bevor es los ging.

Auf der Fahrt erzählten wir uns dann ein wenig. Sie war Gemeindereferentin in Siegen und kam von einer Weiterbildung. Aber ihr Minivan war immer für flexible Übernachtungen ausgerüstet, wie sie mir zeigte. Ich erzählte von meinem Vorhaben den Jakobsweg zu pilgern und sie erzählte, dass sie schon nach Rom gepilgert sei… wir verplauderten die ganze Fahrt über.

Da sie nichts als Gegenleistung haben wollte, zeigte ich ihr noch einen sehr coolen Geocache bei mir in der Nähe und konnte sie doch noch überreden sich wenigstens ein wenig von mir den Tank auffüllen zu lassen. Wir verabschiedeten uns…

… und so begann mein Camino.

 

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