10.04.2016, 6. Tag Vila Real – Parada de Aguiar 26,0 km

Der Blick aus meinem Hotelfenster verheißt nichts Gutes. Es regnet „Katzen und Hunde“, doch ich hatte eine ruhige und erholsame Nacht. Was ein Segen, daß ich mir nach der gestrigen Etappe von über 40 Kilometer statt einer Herberge ein Hotelzimmer für 40€ geleistet habe.

Um 07:30 Uhr genehmige ich mir in der zum Hotel gehörenden Bar ein einfaches Frühstück und gehe trotz des strömendem Regens um 08:00 Uhr tapfer los auf den Caminho. Es muss ja weitergehen.

Vila Real liegt schnell hinter mir und von der bisherige ruhigen Landstraße zweigt der Weg ab in einen Waldweg. Der Regen macht eine kurze Pause und die Vögel zwitschern sich eins. Meine Hoffnung auf Wetterbesserung erfüllt sich nicht und ich stapfe durch Laub und Unterholz. Die Regenklamotte hält zwar dicht, aber das Wandern ist keine Freude. Ich laufe eher mechanisch vor mich hin, als daß ich die Umgebung bewußt wahrnehme. An Fotos ist kaum zu denken und ich muss nach 1,5 Stunden dann doch mal eine Pause einlegen. Zum Einen, um eine Zigarette zu rauchen, etwas zu essen und zu trinken, zum Anderen, um mein T-Shirt zu trocknen, denn mittlerweile bin ich nicht durch den Regen, sondern vom Schweiss durchnäßt. Ich finde mitten im Wald einen Heuschober, wo ich eine kurze Rast einlegen kann und Schutz vor dem Regen finde. In der Ferne ist Donnergrollen zu hören. Ich verspeise etwas von meinem Proviant, rauche eine Zigarette und hoffe, daß der Regen nachläßt. Doch Pustekuchen, nix da. Also wieder in die Regenklamotte und weiter.

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Nachdem ich das Waldstück verlasse, treffe ich in einer kleinen Ortschaft auf eine Bar, wo sich die Kirchgänger gerade nach dem Gottesdienst zu versammeln scheinen.
Ich trinke zwei  Café und beschließe den weiteren Weg auf der Nationalstraße N2 zu gehen, was mir bei der schlechten Witterung sinnvoll erscheint. Erstens verläuft der Caminho etwa parallel zu der Straße, zweitens finde ich dort Bushaltestellen, um mich mal kurz unterzustellen und zu rasten, drittens vermeide ich verschlammte, überflutete Wald-/Feldwege.

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Kurz vor meinem Etappenziel finde ich zu Beginn eines erneuten Regengusses Unterschlupf in einer Bar und erreiche kurze Zeit später die Albergue de Santiago in Parada de Aguiar. Es ist 15:30 Uhr und das Tor zur Herberge mit einem Vorhängeschloss verrammelt. Na klasse ! Da stehe ich nun im Regen und muss wieder mal eine Tel.-Nr. anrufen, um von der Gemeinde den Schlüssel zur Herberge zu erhalten. Das geht dann aber doch recht schnell, denn schon nach 10 Min. kommen zwei nette Damen daher, überreichen mir den Schlüssel und zeigen mir die Räumlichkeiten der Albergue. Den Schlüssel darf ich dann am nächsten Morgen in den Briefkasten werfen, die Spende für Übernachtung soll ich in einen Umschlag hinterlegen.

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Der krönende Abschluss diese beschissenen Pilgertages war dann die Tatsache, daß aufgrund defektem Wasser-Boilers die heutige warme Dusche ausfallen musste. Immerhin gibt es einen Radiator, der mir meinen völlig durchnäßten Pilgerpass trocknet und mich in der Nacht zu wärmen verspricht.

Und da ich natürlich versäumt habe einzukaufen, habe ich auch keinen Proviant mehr, um mir ein Abendessen zu bereiten. Also Sachen Abladen und noch einmal 2,5 km zurück in die letzte Bar, um dort – allerdings sehr lecker – eine Warme Mahlzeit zu erhalten und mit einigen Gläsern Vino Tinto herunterzuspülen.

Bei besseren Wetterbedingungen wäre dieser Tag ein wirklich Schöner gewesen…

Doch auch solche, etwas unerfreulichen Episoden, werden im Nachhinein zu einem Erlebnis, daß den Caminho nicht unbedingt negativ prägt.

-Danke an Volkmar Hase für seine Pilgeranekdote.

 

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