Zwischen Heidelbeeren und Heidekraut habe ich mich diesen Sommer bewegt. Im Urlaub ging es nämlich endlich auf den Rothaarsteig. Diesmal musste ich nicht abbrechen und konnte ihn von Brilon bis Dillenburg durchlaufen. Die Entscheidung war goldrichtig, wie sich heraus stellte. Sicher der Steig ist nur 155 km lang und in einer Woche zu bewältigen aber im Gegensatz zu der erst geplanten Via Regia um einiges anspruchsvoller. Wir hatten fast alle Tage um die 28° und mehr. In Sachsen wären wir aufgeschmissen gewesen und hätten über Asphalt und viel offene Fläche gehen müssen. Da kam der Wald mit Quellen und Flüssen zum Abkühlen sehr gelegen. Wir sind dennoch immer recht früh aufgebrochen um der großen Hitze zu entgehen.

01a44e7e35559930b6b1888e344320a37758614eec

Unsere Etappen liefen also wie folgt

  1. Tag Brilon – Richtplatz (nahe Willingen)
  2. Tag Richtplatz – Winterberg
  3. Tag Winterberg – Latrop (Talvariante)
  4. Tag Latrop – Rhein-Weser-Turm
  5. Tag Rhein-Weser-Thurm – Lützel
  6. Tag Lützel – Hainchen
  7. Tag Hainchen – Dillenburg

Eines unserer Highlights ergab sich an Tag eins auf dem Weg zu den Bruchhausener Steinen. Die Normalvariante war nicht in Rot gekennzeichnet, sondern in einer der Zubringer Farben (schwarz,gelb). Daher folgten wir der Beschilderung über die Klettervariante auf den Ginskopf. Die Aussicht ist herrlich aber bei der Hitze und mit über 10 kg auf dem Buckel wurde auch ein wenig geflucht. Wir haben uns aber vorgenommen diesen Weg als Tagestour bei kühlerem Wetter inklusive dem Aufstieg auf die Bruchhausener Steine noch mal zu wiederholen. Die erste Nacht schliefen wir unter dem Sternenhimmel. Fazit: Ich brauche dringend eine aufblasbare Isomatte. Der Boden war so hart und daher an Schlaf kaum zu denken. Aber es blieb dann auch unsere einzige Nacht im Freien.

019cf2f7cb4e47d2d283ba7e3073079d16524b934f

Am nächten Tag trafen wir auf das Schild für ein Hostel in Winterberg, dass ich bei meinen Recherchen übersehen hatte und so kehrten wir spontan dort ein. Nachdem man sich mit einer Menge Sonnenmilch zugekleistert hat, am Vortag nur eine Katzenwäsche hatte und gefühlt alles, was man an Wasser trinkt wieder ausgeschwitzt wurde, war dringend eine Dusche fällig. Von da an versuchten wir auf gut Glück unsere Unterkünfte zu bekommen. Nur eine einzige hatten wir vorher reserviert. Eine wurden zum Glück am morgen frei und eine andere war grad noch an dem Tag renoviert worden. Das nennt man wohl Fügung und es hatte ein wenig Pilgerflair nicht zu wissen wo man am nächsten Abend landet. Die Ünterkünfte kosteten meist inklusive Frühstück 25-35€. Man kam uns wegen der Hitze auch mit der Frühstückszeit entgegen. Bei „Zur Hahnenquelle“ bekamen wir für 8 Euro pro Person ein sehr großzügiges Verpflegungspaket von dem wir den ganzen Tag zehrten. Leider sind nach dem Sauerland die Einkehrmöglichkeiten und Versorgungsmöglichkeiten am Weg sehr rar gesäht und man muss lange Abstiege und Aufstiege in Kauf nehmen. Dazu sind die offiziellen Karten und der Reiseführer von Outdoor sehr veraltet. Manche Möglichkeiten existieren nicht mehr oder neue wurden nicht aufgenommen. Hier empfehle ich den Rother, da er 2016 neu aufgelegt wurde. Aber auf der Rothaarsteigseite gibt es auch eine PDF , die alle Gastgeber enthält und dazu eine Angabe wie weit sie vom Steig entfernt sind. Meine Tips zum Einkehren sind auf jeden Fall die Ginsburg und das Kühude Cafe. Letzteres konnte ich dieses mal leider nicht besuchen, da wir die Talvariante gewählt haben.

018937a09da026aa20da131a8a711e95c8a20b66e5

Landschaftlich bietet der Weg alles zwischen Wald, Heide und Auen. Meine Highlights sind die Aussichten im Sauerland, das Eder- und das Schwarzbachtal, so wie der Kahle Asten, auf dem wir einen fantastischen Sonnenaufgang erleben durften. Das letzte mal ging ich im Frühsommer und überall blühten die Blumen, dieses mal dominierten Beeren von Esche, Brombeere und Heidelbeere. Innerhalb dieser einen Woche begannen auch die Blätter sich in die Farben des Herbstes zu wandeln und Tau und Frühnebel gaben dem ganzen eine besondere Atmosphäre.

Wart ihr auch schon dort? Wie hat euch der Steig gefallen?

 

 

 

 

 

Advertisements